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Monsieur Chocolat
Drama | Frankreich 2016 | 110 Minuten |
Regie: Roschdy Zem
Mit: Omar Sy, James Thierree

Hereinspaziert, meine Damen und Herren! Schwarz sein in Europa ist kein Spaß – auch nicht für einen Clown: Omar Sy (Ziemlich beste Freunde) glänzt im aufwühlenden Lebensdrama über Rafael Padilla, den berühmtesten Clown von Paris.


Di. 17.5. u. Mi. 18.5. um 18.00 Uhr, Fr. 20.5. um 18.00 Uhr
Mi. 25.5. um 19.30 Uhr
Titel Monsieur Chocolat
Originaltitel Monsieur Chocolat
Genre Drama
Land, Jahr Frankreich, 2016
Länge 110 Minuten
Regie Roschdy Zem
Drehbuch Roschdy Zem, Cyril Gely, Olivier Gorce, Gérard Noiriel nach dem Buch Chocolat, clown nègre von Gérard Noiriel
Kamera Thomas Letellier
Schnitt Monica Coleman
Produktion Eric Altmayer, Nicolas Altmayer
Darsteller Omar Sy, James Thierree, Omar Sy, James Thierree, Clotilde Hesme, Olivier Gourmet, Frédéric Pierrot, Noémie Lvovsky

Er war wohl einer der ersten Clowndoktoren, wurde von Künstlern wie Toulouse-Lautrec porträtiert, und war Miterfinder der in Zirkuskreisen unentbehrlichen Weißer-Clown-und-dummer-August-Routine: Rafael Padilla (Omar Sy aus Ziemlich beste Freunde) war Ende des 19. Jahrhunderts der erste dunkelhäutige Clown, der in Frankreich Erfolge feierte. Dabei beginnt er, Sohn von kubanischen Plantagen-sklaven, ganz bescheiden: Bei einem ärmlichen Landzirkus in Frankreich, mit Fell und Fackel, spielt er Kanaga, den König der Wildnis. Doch Weißclown Footit (James Thiérrée, Enkel von niemand Geringerem als Charlie Chaplin) erkennt sein Talent und macht ihn zu seinem Partner. Kanaga kriegt den Bühnennamen Monsieur Chocolat verpasst, hoho, wie auch anders bei dieser Hautfarbe – und sehr bald schon sind die beiden die Hauptattraktion des Zirkus: Der eine macht Witze, der andere lässt sich treten, und das Publikum brüllt vor Begeisterung.

b_150_100_16777215_00_images_stories_chocolat_chocolat1.jpg b_150_100_16777215_00_images_stories_chocolat_chocolat2.jpg b_150_100_16777215_00_images_stories_chocolat_chocolat3.jpg

Irgendwann kommt ein Herr aus der Großstadt und wirbt die beiden ab, und bald sind Footit und Chocolat die Stars der besten Etablissements von Paris. Klar, Footit hat melancholische Anwandlungen und treibt sich nächtens mit schönen Herren herum, Chocolat gibt viel zu viel Geld aus für Schnaps, Kartenspiel und andere erfreuliche Dinge. Aber schließlich verdienen sie ja auch ausgezeichnet: Der eine macht Witze, der andere lässt sich in den Hintern treten. Bis Chocolat dann einmal zu hoch pokert und im Gefängnis landet. Dort fürchterlich misshandelt wird, obwohl er doch so berühmt ist. Und sich in einer Zelle mit einem gelehrten karibischstämmigen Mann wiederfindet, der ihn schließlich fragt: „Sag, fällt dir eigentlich nichts auf? Dass die Weißen so gern über dich lachen, weil sie zuschauen wollen, wie ein Schwarzer getreten wird?“

Es ist beschämend, wie wenige Filme sich mit Geschichte und Erfahrungen dunkelhäutiger Menschen in Europa befassen. Abdellatif Kechiches Vénus noire über die als „Hottentottenvenus“ verunglimpfte Saartje Baartman und Amma Asantes Dido Elizabeth Belle über die schwarze englische Adelige sind seltene Ausnahmen – und nun auch Roschdy Zems Monsieur Chocolat, mit dem sagenhaft charismatischen Omar Sy: ein mit Gelächter und Tränen gesprenkeltes, herzzerreißendes, großes und wahres Melodram. Was für ein Leben.