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Kategorie: Filmbeschreibung
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Murer - Anatomie eines Prozesses
Drama. Österreich 2017| 137 Minuten|
Regie: Christian Frosch
Mit: Karl Fischer, Alexander E. Fennon, Melita Jurisic, Karl Markovics
Er galt als „Schlächter von Wilna“, Gerechtigkeit gab es für seine Opfer nie: Dieses Gerichtsdrama rekonstruiert den Prozess gegen den SS-Führer Franz Murer, gegen den die Wahrheit keine Chance hatte.

 

Graz 1963. Franz Murer (Karl Fischer), Großbauer und regionales Politikschwergewicht, steht vor Gericht. Vorgeworfen werden dem ehemaligen SS-Führer schwere Kriegsverbrechen, die er als Leiter des Ghettos von Vilnius in den Jahren 1941 bis 1943 an der jüdischen Bevölkerung begangen haben soll. Holocaust-Überlebende aus aller Welt sagen gegen den „Schlächter von Wilna“ aus. Doch trotz der erschütternden Beweislage gegen ihn wird Murer infolge fadenscheinigen Hinterzimmer-Gemauschels freigesprochen. Das Volk: erfreut, der Justizskandal: fertig.

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Was steckt dahinter?

Im Eröffnungsfilm der diesjährigen Diagonale seziert Regisseur Christian Frosch anhand originaler Gerichtsprotokolle eine der dunkelsten Stunden österreichischer Rechtsprechung in der Zweiten Republik: 73 Sprechrollen (u. a. Karl Markovics als Simon Wiesenthal) legen die Anatomie dieses Prozesses in einer erschütternden Detaildichte frei.

Was wird geboten?

Österreich und seine braunen Flecken, eine Fortsetzungsgeschichte mit leider viel zu vielen Kapiteln: Dieses dicht gewobene, beklemmende Drama nimmt sich eines besonders beschämenden an und fächert dabei die postnazistische Großwetterlage schonungslos auf.

Filmchronik eines Justizskandals Präzise und stilsicher hat Christian Frosch seinen neuen Spielfilm „Murer - Anatomie eines Prozesses“ inszeniert, der Dienstagabend die Diagonale eröffnet. Hier wird einer der größten Justizskandale der Zweiten Republik aufgerollt: der Freispruch für den steirischen Großbauern und SS-Führer Franz Murer, bekannt unter dem Beinamen „Schlächter von Vilnius“.orf.at