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Systemsprenger
Drama| Deutschland 2019| 119 Minuten|
Regie: Nora Fingscheidt
Mit: Helena Zengel, Albrecht Schuch
Eigentlich ist Benni ganz normal: Wie jedes andere Kind auch, will sie gemeinsam mit ihrer Mutter leben. Die ist in diesem Fall aber komplett überfordert und hat das Mädchen daher abgegeben. Das passt der Neunjährigen gar nicht – durch aufmüpfiges Verhalten vergrault sie also eine Pflegefamilie nach der anderen. Ob Anti-Aggressionstrainer Micha ihr wohl helfen kann?

 

Die neunjährige Bernadette, genannt Benni (Helena Zengel), ist das, was man einen „Systemsprenger“ nennt. Mit herkömmlichen Erziehungsmethoden und dem Jugendamt ist die immer wieder zu Gewaltausbrüchen und verbalen Attacken neigende Neunjährige nicht zu bändigen. Sogar ihre eigene Mutter (Lisa Hagmeister) hat Angst vor ihr. Die letzte Hoffnung ist schließlich der toughe Anti-Agressionstrainer Micha (Albrecht Schuch), der mit Benni drei Wochen in einer Hütte in der Wildnis verbringen und sie dort intensiv betreuen soll. Doch bringt das wirklich die erhoffte Besserung?

Was auf dem Papier wie ein formelhafter Problemfilm klingen mag, entpuppt sich in „Systemsprenger“ als ebenso aufwühlendes wie rasantes und rührendes Drama, in dem für den zentralen Konflikt keine leichten Antworten gefunden werden. Spielfilmdebütantin Nora Fingscheidt und ihre energiegeladene junge Hauptdarstellerin Helena Zengel schaffen es, die Machtlosigkeit aller Beteiligten greifbar zu machen, ohne dass das Ergebnis trocken oder durchweg bedrückend ausfällt.

b_150_100_16777215_00_images_stories_sysstemsprenger_sysstemsprenger1.jpg b_150_100_16777215_00_images_stories_sysstemsprenger_sysstemsprenger2.jpg b_150_100_16777215_00_images_stories_sysstemsprenger_sysstemsprenger3.jpg

Was steckt dahinter?
2016 spielte Haley Lu Richardson in The Edge of Seventeen – Das Jahr der Entscheidung, ein Jahr später startete für Cole Sprouse die TV-Serie Riverdale. Dass der Film in den USA immens erfolgreich war und das angestrebte Umsatzziel bei weitem übertraf, wird vor allem den Performances dieser Jungdarsteller zugesprochen. Forciert hat den Erfolg aber sicher auch die Tatsache, dass romantische Dramen wie dieses bei jungen Leuten immer noch führend als Date Movie zum Einsatz kommen. Und nicht zuletzt leidet eines von zweitausend Neugeborenen an Mukoviszidose, einer der häufigsten und unberechenbarsten unheilbaren Krankheiten der Menschheit.
Was wird geboten?
Lebensfreude kontra Vernunft: Keiner entkommt diesem Spannungsfeld. Es tut gut zu sehen, dass dahingehend eine gewisse Balance auch zwischen zwei Genossen eines unentrinnbar harten Schicksals funktionieren kann. Das bringt einem auf romantische Weise ins Gedächtnis, welch großes Glück Gesundheit darstellt – natürlich neben dem größten Glück: der Liebe.